Re: Gedicht zu "Party", "Winter" oder "Weihnachten"
von leon » Sa 11. Okt 2008, 15:07
So, jetzt habe ich noch ein Gedicht geschrieben. Eine Ballade. Aber ich fürchte, sie ist zu lang...
Winterlicht 11.10.2008
Oh Sonne, hoch über den Wolken
Wirf hinab dein Licht
Auf dass im Sommer deine Strahlen
wärmen eines jeden Gesicht
Und im Winter, wenn die Erd´ voll Schnee,
So lass´ sie erstrahlen in weißem Glanz,
Doch schmelze ihn nicht, niemals,
des wunderschönen Eises Tanz
Ein Wanderer, des Steigens gefeit,
Begab sich zur Geburt des Jahres
Auf den Weg, zu Bezwingen sein Leid.
Den höchsten Gipfel er wollt´ erklimmen
Ohne Warten und Allein
Denn bevor noch sein Leben würde verglimmen,
Einmal er wollt´ der Gewinner sein,
Sein Ich beweisen, sein wahres.
So kam es, dass er am Neujahrstag,
wo andere noch schliefen, aufzog
zum Gebirge, in Asien es lag
Nach langer Fahrt sein Mut verflog,
seines Handelns er nicht mehr sicher war.
Wie hatte er nur gewagt zu Glauben,
dem Riesen aus Stein seine Ehre zu rauben?
Der ragte empor in luftige Höhen,
umsäuselt er wurde von kräftigen Böen,
und so der Mann sackte nieder,
verlieren würde er wieder
Betrübt und verzweifelt, der alte Mann,
sich löste von des Anblickes Bann,
wie fesselnd die Versuchung doch war,
das Abenteuer zu wagen,
auch wenn er wusste, nur ein Narr,
würde sich stellen den Plagen
die da warten würden im Schnee,
Und doch das Verzichten tat weh
Währenddessen die Sonne,
die, versteckt hinter Wolken,
gewartet und gelauscht,
von des Mannes Kummer berauscht.
So viele Menschen erweckten ihr Leiden,
vor Kummer sie wollte die Menschen oft meiden,
und manchmal begann sie gar zu weinen,
sodass die Regentropfen fielen.
Aber diesmal, obwohl schon goss Regen,
sandte sie ihre Strahlen aus,
des traurigen alten Mannes wegen.
Und so, man mag es glauben oder nicht,
der Mann, bevor er ganz aufgegeben,
sah am Himmel, eigentlich schlicht,
des Regenbogens Gesicht.
Die Lichter webten, mit all ihrer Schönheit,
ein Lächeln in die Luft.
Und es wirkte, als sänge man Lieder,
verströmt ward´ ein lieblicher Duft,
so der Mann das Lächeln gab wieder.
Mit der neu gefassten Kraft
War der Mann entschlossen,
Er hatte sich zusammengerafft,
Die Energien gar flossen,
Und er tat den ersten Schritt.
Und den Zweiten.
Den Dritten und Vierten, und weiter
Fast wie auf der Lebensleiter
Immer höher, immer näher,
und mit jedem Schritt er wurde zäher,
sodass er am Ende lief seine Bahn,
als hätt´ er nie etwas Anderes getan
Also, der Gipfel, bald war schon in Sicht
Der Mann, ganz euphorisch, rannte die Meter
Die ihn noch trennten von seinem Ziel.
Er gegen Schnee, Wind und Wetter!
Die Vorstellung ihm so sehr gefiel,
dass er sah den Kiesel nicht,
und stürzte in die Tiefe.
Doch Glück im Unglück er glaubte zu haben,
denn er gelandet auf einem Plateau.
Aber, weil es das Schicksal so wollte,
löste der Kiesel die Massen von Schnee,
Und die Lawine, sie walzte, sie rollte,
der Mann sie nicht sah kommen.
So, als die Flut war verronnen,
der Mann begraben, wie tief unter See
Oh Sonne, hoch über Wolken und Schnee
Wirf hinab dein Licht
Auf dass auch im Winter deine Strahlen
wärmen eines jeden Gesicht
Die Sonne, mit gutem Gewissen erheitert
Hatte sie den alten Mann.
Nun hat sie gelernt, dass manchmal die Menschen
Lieber vergessen so manche Idee.
Ihr Lehrer war gewesen der Mann unter Schnee
Und so, aus Mitleid, zum letzten Mal
Die Sonne griff ein in des Schicksals Wahl.
Und im Winter, wenn die Erd´ voll Schnee,
So lass´ sie erstrahlen in weißem Glanz,
Und schmelze ihn doch, nur ein Mal,
des wunderschönen Eises Tanz
Dem Mann, war klar, es war aus.
Der Winter ihm machte den Garaus.
Doch anders als noch vor wenigen Tagen
War er nun ein fröhlicher Mann.
Dass man nicht alles schaffen kann,
das war ihm jetzt nur Recht.
Auf den Versuch und den Weg kommt es an.
Und als der Schnee geschmolzen war,
Durch der Sonne langes Haar,
Da schlug der Mann die Augen auf.
Vergessen zwar sein früheres Leben,
seine Trauer und sein verzweifeltes Streben.
Doch, fortan, wie man es nur sagen kann,
er war der wohl glücklichste Mann.
Leon Stefanovski