Wer spielt Gott?




HV Dani

Wer spielt Gott?

Beitragvon Linda » Mo 26. Jan 2009, 00:00

Im Land der blau karierten
sind alle blau kariert
doch wenn ein rot gestreifter
sich in dieses land verirrt
schrein alle blau karierten
„Hey, du passt zu uns doch nicht!
Du, sollst von hier verschwinden
du rot gestreifter Wicht“

Vor gar nicht all zu langer zeit gab es an einer schule in einem nicht so weit entfernten Land ein Mädchen. Dieses Mädchen war aber nicht irgend eins, sie war jemand ganz besonderes.
Alle ihre Sinne waren verschärft. Sie konnte besser hören, riechen, fühlen, und tausendmal mehr schmecken als alle anderen. Nur ihr letzter Sinn war stumpf. Sie konnte nichts sehen. Sie selber sah ihre Fähigkeiten als eine Gabe, ein Geschenk von Mutter Natur. Aber an ihrer Schule wurde sie verstoßen wegen ihrer Andersartigkeit. Sie war der Freak der Schule. An jeder Ecke wurde über sie geredet. Natürlich waren die Schüler nicht intelligent genug, so über sie herzuziehen, dass sie es nicht mitbekam. Sie tuschelten zwar so leise, dass der genaue Inhalt nicht verständlich war, aber ihr Name laut und deutlich. Auch neue Schüler an der Schule wurden über sie aufgeklärt, bevor diese sie auch nur gesehen hatten. Das Mädchen wurde so unendlich traurig, dass es mit niemandem mehr redete und aufhörte zur Schule zu gehen. Gerüchten zufolge soll sie so lange in einer Ecke gesessen haben, bis sie zu Stein erstarrte. Andere sagen, sie fing an sich zu ritzen oder hörte auf zu essen. Und einige sind der Meinung, sie habe sich umgebracht. Der Fall wurde von der Polizei nicht genauer untersucht. Keiner wollte irgendwas damit zu tun haben. Warum? Aus Angst? Oder vielleicht aus Desinteresse? Man könnte jetzt den natürlichen Egoismus des Menschens vorschieben, aber warum sind dann so viele leute schockiert, wenn jemand Katzenbabys ertränkt? Psychologen stellen Statistiken auf und zerbrechen sich verzweifelt die Köpfe. Was bringt es uns, schlecht über anderer zu reden? Warum machen wir andere runter, passiv oder aktiv? Jeder hat es schon mal getan und keiner hat ein schlechtes Gewissen, es sei denn man wurde von dem erwischt, über den man sich gerade lustig gemacht hat. Es macht Spaß. Wie ein Spiel, in dem man selbst die Regeln bestimmt und in seiner Rolle immer nur gewinnen kann. Man fühlt sich stark, mächtig in seiner Rolle als Gott auf dem Spielbrett. Die Konsequenzen fallen einem erst auf, wenn man das Spiel in der Rolle des Losers spielen muss. Das Problem? Das Spiel nimmt nie ein Ende und man kann sich nicht aussuchen, ob man mitmachen will. Das Spielfeld erstreckt sich teilweise über mehrere Bezirke. Der Gamemaster bestimmt jeden Zug, erst mal drin gibt es kein zurück für den einzelnen bis es sich ausgespielt hat. Die meisten Kinder, die andere in Verzweiflung treiben, tun das nicht aus Bosheit. Mehr aus Langeweile und dem Reiz des verbotenen und skandalösen. Es ist doch nur ein Spiel. Tut doch niemandem weh.
Das Ding ist, dass selbst Erwachsene, die es besser wissen sollten, lästern. Unsere Vorbilder, unsere Ideale, zu denen wir aufschauen, schmeißen mit Vorurteilen um sich. Sie vertrauen auf ihre „Intuition“ und machen sich ein Bild von jemandem mit Hilfe dieser. Und natürlich sagt Kleidung so unglaublich viel über einen Menschen aus, dass man davon direkt auf die Persönlichkeit einer Person schließen kann. Die Leute, die H&M tragen, tun mir dann ziemlich leid. Millionen von Menschen mit denselben Charakterzügen.
In einer wirklichen Konfrontation kann sich der Angeklagte verteidigen, seine Unschuld beweisen. Den meisten Menschen mit Vorurteilen ist die Wahrheit ziemlich egal.
„Sie klauen“
„Nein, das tue ich nicht.“
„Aber stimmt es nicht, dass sie Löcher in der Hose haben?“
„Ja, das habe ich.“
„Aha! Also doch.“
Was soll man als Mensch denn noch tun, wenn die Wahrheit den anderen gar nicht interessiert? Wenn Gegenwehr dazu führt, dass man die anderen nur noch weiter provoziert und Schweigen dazu, dass sie nicht mitbekommen, wie weh es tut? Was soll man denn machen? Die Schule wechseln, mit Lehrern reden, die dann in der Klasse ein Gespräch führen, was eh niemand ernst nimmt? Damit versaut man sich doch seine letzte Chance auf Anerkennung. Wenn man freundlich ist, schleimt man sich ein und wenn man distanziert ist, ist man ein Arschloch. Jeder beschissene Mensch nimmt sich das Recht, sich ein Bild von dir zu machen, was überhaupt nicht mit dir überein stimmt.
Natürlich muss man eine Person einschätzen, sie irgendwie einordnen, um nicht völlig aufzulaufen. Und natürlich tauscht man sich mit Freunden über seine Meinung aus. Vielleicht hatte die Person ja nur einen schlechten Tag und war deswegen so drauf. Oder sie ist nur so nett gewesen, weil du der einzige Gute in Mathe bist, der andere Leute von sich abschreiben lässt und ist normalerweise auf einem Ich-hasse-die-Welt-und-vor-allem-dich Trip. Und jeder tauscht sich auch darüber aus, wenn 2 zusammengekommen sind, die sich eigentlich hassen oder das Traumpaar der Schule schluss gemacht hat. Sonst kommt es nämlich zu solchen peinlichen Situationen, wo man jemanden zu seiner Party einlädt und sagt, dass die andere Hälfte natürlich auch eingeladen ist, obwohl die beiden sich am Tag vorher getrennt haben. Und jeder möchte natürlich über große Ereignisse aufgeklärt sein. Deswegen fragt man seine Freunde, was die denn gehört haben und erzählt das seinen anderem Freunden. Klar ist, das über 5 Leute halt nicht mehr „Ich sehe aus als wäre ich schwanger.“ sondern „Mein Fahrschullehrer hat mich geschwängert aber ich habe abgetrieben.“
rauskommt. Man sollte immer vorsichtig sein mit Informationen, die nicht direkt von der Quelle kommen. Und bevor man schlecht über jemanden redet, sollte man auch immer gucken, ob es wirklich gerechtfertigt ist und man nicht unnötig fies wird und dann Sachen sagt, die gar nicht so böse gemeint sind, wie sie rüberkommen. Man sollte sich auch keine Urteile über leute bilden aufgrund von ihrer Kleidung, Religion, Hautfarbe oder ihrem sozialem Umfeld. Natürlich macht man das trotzdem, aber man sollte sich dessen bewusst sein und sich eingestehen, dass die sicht, die man auf jemanden hat, durchaus falsch sein kann.
Und noch eins: Das absolut schlimmste, was man bringen kann, ist supernett zu jemandem zu sein und so zu tun, als wäre man befreundet und in wirklichkeit hinter ihrem Rücken über sie herzuziehen und ihre Geheimnisse zu verraten. Denn es tut viel mehr weh, von einem Freund verraten zu werden, als vom Feind. Man kann auf Distanz bleiben oder die Person sogar spüren lassen, dass man sie nicht mag, wenn es auf Gegenseitigkeit beruht und ihr böse Blicke schenken, falls einem das Leben dadurch plötzlich aufregender erscheint.
Nur von Spielen sollte man absehen, wenn sie auch noch so viel Spaß machen. Die Verantwortung für die möglichen Konsequenzen möchte keiner übernehmen.
Linda
 
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von Anzeige » Mo 26. Jan 2009, 00:00

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Re: Wer spielt Gott?

Beitragvon freak_jp » Mo 26. Jan 2009, 00:41

:P
Ein guter Artikel meiner Meinung nach, in dem sowohl die scheinbar positiven, als auch die negativen Folgen ersichtlich werden. Nur das 'beschissen' im Absatz nach dem Dialog mit dem Loch verrät zu viel über deinen Frust in einem Artikel, der eigentlich nur informieren soll.^^ ...Einzelne Rechtschreibfehler sind auch enthalten, allerdings weiß ich immer noch nicht so recht, wer die jetzt berichtigt, deswegen überlass ich das erstmal den anderen.?
freak_jp
 
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