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Buchrezi/ -vorstellung?

BeitragVerfasst: Di 30. Sep 2008, 23:03
von freak_jp
Also keine Ahnung, ob das überhaupt als Buchrezi gilt, wahrscheinlich eher nicht. Aber ich hatte dieses Buch angefangen zu lesen und musste einfach iwas darüber schreiben. Wir müssen des auch nciht veröffentlichen, ich dachte nur, bevor ich das mitbringe und jeder liest sich das einzeln aufm Papier durch, poste ich es hier rein und dann könnt ihr ja sagen, was ihr dazu denkt...

Die Weihnachtsgeschichte mal ganz neu – „Das Weihnachtsgeheimnis“ von Jostein Gaarder

...die unbändige Freude über ein paar wenige, gut situierte Sätze im Zusammenhang lässt sich wohl am schwersten teilen, da sich die Aufregung, die sich im Laufe des Buches aufgebaut hat, nicht so einfach vermitteln lässt wie die über eine gewonnene Partie Uno oder einen Sieg von Hertha...

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr euch schon lange ein Buch gewünscht habt, euer Geburtstag nach endlosen Tagen schließlich da ist und ihr es morgens auf dem Geburtstagstisch als aller erstes wahrnehmt und euch eigentlich gar nicht mehr so sehr für den Rest interessiert? Ich schau mir dann immer als erstes alles andere in Ruhe an, um die Spannung zu steigern und mich danach ganz langsam ans Buch ranzutasten.
So ähnlich mache ich es auch bei eingepackten Geschenken: Das Beste am Geschenke-Bekommen, finde ich, ist das Geschenke-Auspacken. Ich liebe es, eine halbe Stunde lang an einem winzigen Paket zu sitzen und zu versuchen, es ohne Schere und ohne das Papier zu zerreißen, aufzubekommen.
Aber zurück zu den Büchern: Ihr seid also schlussendlich bei dem Buch angekommen und schaut euch genüsslich das Cover an, lest die Klappentexte (erst den hinten, dann die innen), um euch danach ins Zimmer abzukapseln und für den Rest des Tages in der Welt jenes Buches zu versinken. Meistens lese ich diese Bücher so gut wie von vorne bis hinten ohne Pause durch. Es mag Leute geben, die können sich das einteilen, um das Lesen zu genießen, aber ich kann mich bei so etwas einfach nicht beherrschen; muss wissen, was als Nächstes passiert, kann mit meinen Gedanken nicht bei der einfachen, geschrieben Handlung bleiben, sondern male mir im Unterbewusstsein die Gefühle und Gesichtsausdrücke der Figuren aus. Die Bücher, die mir am meisten in Erinnerung bleiben, sind u.a. diejenigen, bei denen ich die Nächte durchgelesen habe – was mir heutzutage leider immer seltener passiert...
So; selbst, wenn ihr all das noch nie erlebt habt, könnt ihr euch nun zumindest ansatzweise vorstellen, wie ich, als Bücherliebhaber, mich erst freue, wenn ich mir ein Buch auf blauen Dunst hin ausleihe – da ich vom Autor schon vorher ein Buch gelesen habe und sich der Klappentext ganz manierlich anhörte – und sich dieses als absoluter Knüller rausstellt!
Neulich ist mir so ein Buch mal wieder in die Finger gekommen: Eines Samstagabends wusste ich nach wochenlangem Schul- und Arbeitsstress schon kaum noch, was man in der Freizeit denn normalerweise so macht, als mir der grüne Beutel, der schon seit zwei Wochen an meiner Tür hing, ins Auge fiel. – Stimmt ja, ich war doch auch mal in der Bibliothek! – In dieser sich leider nicht selbstverwaltenden Schatztruhe fand ich schon nach nur einer halben Minute kurzen Nachschauens Jostein Gaarders „Das Weihnachtsgeheimnis“. Aufgefallen war mir dieses Buch, wie schon gesagt bzw. geschrieben, wegen des Autors, von dem ich schon vorher den nicht nur sehr lehrreichen, sondern auch zum Denken anregenden Bestseller „Sofies Welt“ durchgearbeitet, kann man fast sagen, hatte und des Klappentextes wegen. Eben dieser war mal nicht – Oh Wunder! – mit Zeitschriftenzitaten vollgedruckt, sondern erzählte von einem Jungen, der eher durch Zufall als durch alles andere an einen Adventskalender gelangt, der ihn auf eine Reise lockt, die in einem norwegischen Kaufhaus mit dem Verschwinden eines Mädchens beginnt und nach und nach, zurück in der Zeit, Richtung Jesu Geburt in Bethlehem führt. Wer die Zettel im Adventskalender schreibt und wer dieses Mädchen ist, wird zwar rhetorisch erfragt, jedoch bis zum Schluss nur ansatzweise erklärt.
Das, was mich schon auf den ersten Seiten zum Weiterlesen veranlasst hat, waren die mehr oder weniger versteckten Parallelen zum Neuen Testament in der Bibel, in dem Johannes, der Täufer und seine Frau Elisabeth den Messias schon früh ankündigen, ihnen natürlich aber erst nur wenige glauben und folgen. So wird auch gleich im ersten Kapitel ein Blumenverkäufer namens Johannes vorgestellt, der im Sommer den Buchhändler um Wasser bittet und dieses teilweise nicht nur sich selbst über den Kopf gießt, sondern auch andere damit bespritzt. Johannes schenkt dem Buchhändler zum Dank nicht nur Rosen oder ab und zu alte Bücher, sondern stellte auch ein Bild einer Frau, mit Namen Elisabet, in den Laden. Es bleibt nur logisch zu schlussfolgern, dass er es auch gewesen war, der den Adventskalender demonstrativ ins Regal gestellt hatte.
Während ich vor Aufregung über meinen Fund noch ganz kribbelig war, überflog ich auch schon förmlich das zweite Kapitel – und hier meine ich mit Überfliegen nicht das sachliche, Informationen sammelnde Lesen eines Textes, sondern das sich Hineinversetzen in die Lage des besagten Mädchens, das inzwischen einem lebendig gewordenem Kuscheltierlamm hinterher rannte und somit der eigentlichen Handlung ihren Anstoß gab. Jostein Gaarder hat es in diesem kindgerechten Buch erneut geschafft, Altbewährtes total neu zu gestalten, geschichtliches und allgemeines Wissen ganz nebenbei zu erwähnen und zudem noch das Christentum so darzustellen, dass auch Nicht-Christen dieses nach Lesen des Buches in einem ganz neuen Licht wahrnehmen werden.
Ihr könnt vielleicht verstehen, dass ich jetzt nicht weitere Informationen preisgeben, sondern mit einem Zitat abschließen möchte, das hoffentlich einige mehrere unter euch anregt, die Weihnachtsgeschichte neu zu erleben und eure Leseerfahrungen auszubauen mit einem Buch, das nicht nur magisch angehaucht scheint und äußerst unterhaltsam ist, sondern auch Einblicke auf Sichtweisen vermuten lässt, die sonst unberührt geblieben wären.

„Vielleicht hatten die Zeiger es satt, Jahr um Jahr denselben Weg zurückzulegen, weshalb sie plötzlich die Gegenrichtung einschlugen.“

Verfasst: Di 30. Sep 2008, 23:03
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Re: Buchrezi/ -vorstellung?

BeitragVerfasst: Fr 17. Okt 2008, 19:50
von flora
Hey,

also ich finde, dass der Artikel echt gut geschrieben ist, es ist auch lustig, dass du am Anfang das Thema Geschenke drin hast, weil wir das ja für die nächste Ausgabe auch mit reinnehmen wollten. Ich finde allerdings auch, dass der Artikel wennn es nur eine Rezension sein soll vielleicht an einigen Stellen kürzer sein könnte. Aber an sich gefällt mir der Artikel echt gut!!

Flora